Hey, ho, Samichlaus!

Samichlaus, du liebe Maa… Es ist Chlaustag! Und spätestens seit dem Chlauseinzug vom letzten Sonntag in der Winterthurer Altstadt sind die Chläuse allgegenwärtig.

Es samichlauset überall. Beim Eindunkeln verschwindet hinter der einen oder anderen Hausecke ein langer, roter Mantel, und an den einen oder anderen Baum wird ein müdes Eseli angebunden und wartet, bis die Reise weitergeht. In den Einkaufszentren verteilen die Chläuse Nüssli, im Rössli-Tram vom Untertor beschenkt der Samichlaus die Kinder mit Mandarinli und dieses Jahr auch mit Kinderthur-Biberli. Der Samichlaus und der Schmutzli besuchen die Kinder in den Schulen, Kindergärten und zu Hause. Und alle ausser den ganz Kleinen lieben den Mann im roten Kapuzenmantel mit dem langen, weissen Bart.

Nikolaus von Myra

Aber wie war das noch mal genau mit dem Samichlaus? Eine der schönsten Samichlaus-Legenden geht so: Nikolaus lebt in Myra, das ist in der heutigen Türkei. Beim Tod seiner Eltern erbt er viel Geld. Statt es auszugeben, möchte er es an ärmere Menschen verschenken und ihnen damit eine Freude machen – aber heimlich. Deshalb wirft er drei armen Mädchen Geld durch den Kamin, das dann zufällig in einem aufgehängten Strumpf landet. Den Menschen bleiben die guten Taten von Nikolaus nicht verborgen, und sie möchten, dass er ihr Bischof wird. So kommt es, und auch als Bischof tut Nikolaus für die Menschen viel Gutes. Am Todestag des Nikolaus von Myra, dem 6. Dezember, kommt der Samichlaus im Gedenken an diesen Wohltäter zu den Kindern, um ihnen mit dem Chlaus-Säckli eine Freude zu machen. Zumindest war es so, bevor man den Nikolaus als strafenden Erziehungshelfer zu missbrauchen begann. Und wie es scheint, haben die meisten Samichläuse heutzutage keine Fitze mehr im Gepäck, sondern wenden sich wieder der Tradition des Freudebereitens zu. Bei Radio Gwunder vom 26. November 2017 gibts die Samichlaus-Legende übrigens zum Zuhören.

Tja – und was tun, wenn man keinen privaten Samichlaus mehr für diese Woche ergattern konnte? Eine Alternative ist der Besuch bem Samichlaus zu Hause: Er lädt noch bis und mit dem 6. Dezember in sein Hüsli im Wald ein, wo es so schön nach Madarinen, Äpfeln, Tee und Nüssen duftet. Dort kann man auch endlich einmal das Eseli vom Samichlaus sehen. Denn mit diesem Eseli ist es ja immer so eine Sache… Alles freut sich auf das graue Tier, das dann doch nie erscheint. Weil es krank ist. Oder alt. Oder grade mal eben eine Pause brauchte.

Samichlaus-Lesung mit Bruno Hächler

Dies hat den Winterthurer Kinderbuchautor und -musiker Bruno Hächler unter anderem zu seinem neuen Buch «Nikolaus, wo bleibst du?» inspiriert: «Ich bin in Kindergärten und Schulen immer wieder darauf angesprochen worden, dass es nur wenige Bilderbücher gibt, die den Samichlaus so zeigen, wie wir ihn in der Schweiz kennen. Also habe ich angefangen, über eine Geschichte nachzudenken. Und weil der Esel erfahrungsgemäss recht oft krank ist … » Also erzählt Bruno Hächler in seinem Buch die Geschichte vom kranken Samichlaus-Eseli. Wer sich vergeblich um einen Eintritt in die ausgebuchten Lesungen in der Stadtbibliothek bemüht hat, dem sei verraten: Bruno Hächler wird am 17. Dezember 2017 im Rössli-Tram vom Untertor aus seinem Buch vorlesen und erzählen! Auch am 10. Dezember 2017 wird das Buch während der Fahrt im Rössli-Tram erzählt. Möglicherweise sogar vom Samichlaus…

Denn der Samichlaus fährt natürlich mit im Trämli und verteilt Mandarinli an die Kinder – und in diesem Jahr auch gefüllte Biberli von Kinderthur.ch. Koordiniert wird das Rössli-Tram von der Untertorvereinigung seit Jahren von Peter Moll, Inhaber des im Frühling geschlossenen Kindergeschäftes Spikus. Moll verbindet mit dem Rössli-Tram die Leidenschaft zum Samichlaus: «Ich sammle auch Kläuse und habe schon über 150 in meinem Inventar. Die Adventszeit fasziniert mich einfach mit ihrem Licht und den Kerzen – und eben allem rund um den 6. Dezember», sagt der bekennende Chlaus-Fan.
Gut zu wissen I: Das Rössli-Tram fährt bis am 23. Dezember 2017 jeden Nachmittag ausser am Montag, da haben Rössli und Samichlaus frei. Start ist jeweils in der Münzgasse, die Fahrt führt über Untertor, Marktgasse, Graben und die Stadthausstrasse wieder zurück und dauert zwischen 15 und 20 Mintuten. Pro Nachmittag gibt es etwa 8 bis 10 Fahrten.
Gut zu wissen II: Die Nikolaus-Bücher von Bruno Hächler sind mancherorts bereits vergriffen und werden nächstes Jahr neu aufgelegt. Ein kleiner Geheimtipp: Im neu umgebauten Shop der Tourist Information am Hauptbahnhof gibt es noch einige Exemplare. Und auch im Chinderlade dürften wohl noch ein paar wenige zu finden sein.

Last-Minute-Chlaus-Versli

Für alle, die noch auf der Suche nach einem passenden Versli sind, gibts hier zwei Samichlaus-Sprüchli, ausgedacht von Lena (8 Jahre):

Samichlaus, Samichlaus, schön, dass d’ wieder chunsch!
Samichlaus, Samichlaus, trink en heisse Punsch!
Samichlaus, Samichlaus, chunnsch vom tüüfe Wald,
Samichlaus, Samichlaus, det isch’s bitter chalt.
Samichlaus, Samichlaus, chumm i oises Huus,
Samichlaus, Samichlaus, wärm dich det grad uf!

***

Wer chunnt dänn da?
Das isch dä Samichlaus, aha!
Bitte lär doch feini Sachä us,
Mir sind nämli guäti Chind i dem Huus!

 

 

Kinderthur.ch wünscht euch fröhliches Chlausen und eine schöne und ruhige Vorweihnachtszeit!

Dieser Blog-Beitrag stammt von Marion Eberhard. Sie ist die Gründerin von Kinderthur.ch, Journalistin und Inhaberin des Textbüros Textundwort. Mit ihrer Familie lebt sie in Winterthur.

 

 

By | 2017-12-05T20:19:38+00:00 December 5th, 2017|Special|0 Comments