Papa-Blog: Fasnacht

Im Papa-Blog geht es in regelmässigen Abständen um das Familienleben in Winterthur aus männlicher Sicht. Diesen Papa-Blog verdanken wir Marco Hollenstein.

Fasnacht ohne Verkleidung

Ehrlich gesagt: Ich bin kein Fasnächtler. Ob das konkret mit halbtraumatischen Hexenerlebnisse in der Kindheit oder ganz allgemein mit der im Vergleich zu anderen Städten fehlenden Tradition zu tun hat, sei dahingestellt. Jedenfalls war das närrische Treiben nie mein Ding.

Andererseits bietet die Fasnacht ganz vieles, was Kinder lieben: Verkleiden, Schminken, Konfettischlachten. Und so kam es zur Diskussion am Zvieri-Tisch über verschiedene Kostümoptionen. Die Träumerin schwärmt vom Prinzessinnenkleid, der Romantiker vom Federnschmuck des Indianerhäuptlings. Der Scheue ist fasziniert vom wilden Besentanz der Hexe, die Aufmüpfige fragt nach einer Trump-Perücke und der ÖV-Begeisterte will als Stadtbus am Kinderumzug teilnehmen.

Konfettipflotsch und Spassbremse

Kinder machen einen toleranter und kompromissbereiter. Deshalb steht man dann am Fasnachtsmontag bei nasskaltem Februarwetter möglicherweise doch am Rande der Altstadt im Konfettipflotsch und gibt sich redlich Mühe, nicht als Spassbremse durchzugehen.

Während die Hexe, der Indianer und der Stadtbus zur Guggenmusik tanzen, sich vor den furchterregenden Fabeltieren verstecken und Süssigkeiten aus der Suguskanone sammeln, fragt sich der Beobachter, welche Verkleidung denn zu ihm passen würde. Der Familienalltag böte ihm zahlreiche Rollen: Beim Frühstückszubereiten fühlt er sich als Bäcker, beim Heimschleppen der Einkäufe als Popeye und beim Kontrollieren der Hausaufgaben als Polizist. Beim Spielen im Garten wechselt er fliegend zwischen den Rollen als Schiedsrichter, Materialwart und Rettungssanitäter. Vor dem Fussballtor wird er zu Messi, in der Baumhütte zum Ritter und zu guter Letzt scheint ihm auch das Gefühl als Clown nicht unbekannt.
Spätestens, wenn die letzten Umzugswagen vorbeiziehen, wird ihm klar: Der Hausmann braucht keine Verkleidung – sein Kostüm ist die Alltagskluft!

Marco Hollenstein ist Hausmann und Jurist. Er lebt in Winterthur. Die Betreuung der vier Kinder sowie die Haus- und Erwerbsarbeit teilt er sich gleichberechtigt mit seiner Frau.

By | 2018-03-14T12:18:31+00:00 February 16th, 2018|Papa-Blog|0 Comments